Günter Elste verabschiedet

Unternehmen | 09.02.2016

  • Empfang mit 300 Gästen im Börsensaal der Handelskammer Hamburg
  • Bürgermeister Scholz und VDV-Präsident Fenske würdigen Verdienste

Nach 20 Jahren als Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN)
uübergab Günter Elste bereits zum 1. Februar den Staffelstab an seinen Nachfolger Henrik
Falk. Bei der heutigen offiziellen Verabschiedung würdigten Redner und Gäste die
Verdienste des ehemaligen HOCHBAHN-Chefs. Neben dem Ersten Bürgermeister Olaf
Scholz waren die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft Carola Veit, die Senatoren
Frank Horch, Dr. Peter Tschentscher und Jens Kerstan, die ehemaligen Ersten
Bürgermeister Dr. Henning Voscherau und Ole von Beust, der Präsident des Verbandes
deutscher Verkehrsunternehmen, Jürgen Fenske, sowie rund 300 weitere Gäste der
Einladung in den Börsensaal der Handelskammer gefolgt.



HOCHBAHN auf die Erfolgsspur gesteuert

Als Günter Elste die HOCHBAHN im Frühjahr 1996 übernahm, war das Unternehmen ein
Sanierungsfall: Das Defizit lag bei (umgerechnet) rund 160 Millionen Euro, der
Kostendeckungsgrad bei 65 Prozent. Unter der Führung von Günter Elste stieg die
HOCHBAHN zu einem der erfolgreichsten Verkehrsunternehmen Deutschlands und
Europas auf. Das Defizit konnte durch ein drastisches Restrukturierungsprogramm auf
rund 55 Millionen Euro (2014) gesenkt werden, der Kostendeckungsgrad stieg auf
90 Prozent. Gleichzeitig wurde das Verkehrsangebot deutlich ausgeweitet: Unter anderem
prägten Taktverdichtungen im U-Bahn- und Busbereich, das komfortable MetroBus-Netz,
der durchgängige U-Bahn-Nachtverkehr am Wochenende und die U4 in die HafenCity das
steigende Mobilitätsangebot. Und es lohnte sich: Die Fahrgastzahlen stiegen in den
vergangenen 20 Jahren um rund 100 Millionen auf deutlich über 430 Millionen.

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Wir verabschieden heute einen unternehmerischen Politiker und einen politischen Unternehmer, einen Menschenfischer, der nicht nur mit sieben Senatoren erfolgreich zusammengearbeitet, sondern als Vorstandsvorsitzender die Hamburger Hochbahn auch zu einem deutschlandweit und international beachteten Vorbild gemacht hat.“



Innovation als Treiber für Umwelt- und Ressourcenschutz

Günter Elste machte die HOCHBAHN zum national und international führenden Verkehrsunternehmen im Bereich innovativer Antriebstechnologien. Schon 1999 schaffte er es, den ersten Brennstoffzellenbus durch Hamburg fahren zu lassen. 2003 folgte die erste Flotte dieser emissionsfreien Fahrzeuge, sie wuchs bis 2010 auf insgesamt neun Fahrzeuge an. 2011 kam dann die nächste Generation, die auch heute noch mit vier Fahrzeugen Hamburgs Umwelt vorbildlich schont. Dem politischen Auftrag des Senats, ab 2020 nur noch schadstofffreie Busse anzuschaffen, antwortete Günter Elste mit dem Projekt „Innovationslinie 109“. Seit Dezember 2014 werden verschiedene innovative Antriebe unter Realbedingungen getestet, damit Hersteller Erkenntnisse sammeln und umsetzen können und um eine fundierte Grundlage für die umfangreichen Investitionen in die künftige Innovationsflotte zu schaffen. Dieses weltweit einmalige Projekt erfährt national wie international große Aufmerksamkeit.



Wettbewerbsfähigkeit als Ziel

Ausgelöst durch europäische Initiativen wurde der Wettbewerbsrahmen für den öffentlichen Nahverkehr in den beiden letzten Dekaden nachhaltig umgestaltet. Günter Elste gestaltete diesen Prozess entscheidend mit – von 2000 bis 2003 zunächst als Vizepräsident, von 2003 bis 2009 als Präsident des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Seit 2009 ist Günter Elste VDV-Ehrenpräsident.

Jürgen Fenske, VDV-Präsident: „Der Präsident und heutige Ehrenpräsident des VDV, Günter Elste, hat als langjähriger `Chef des deutschen ÖPNV´ die Weichen für einen erfolgreichen, wirtschaftlichen und innovativen öffentlichen Verkehr in Deutschland gestellt und damit Verkehrspolitik für Deutschland gemacht. Günter Elste hat den Fachverband zu einem starken Branchenverband gemacht, der von Bundesregierung und Landesregierungen gehört wird.“

In Hamburg positionierte Günter Elste „seine“ HOCHBAHN als verlässliches Instrument der Stadtentwicklung und der Senatspolitik. Auch wenn grundlegende Wechsel in der politischen Landschaft die HOCHBAHN zwangen, umfassende Planungen für die Einführung einer Stadtbahn über Bord zu werfen, blieb er Realist und Optimist. Bezeichnend sein Ausspruch vor Hochbahnerinnen und Hochbahnern zum Ende der Stadtbahn-Planungen 2011: „Ich kann doch nicht zum Ersten Bürgermeister gehen, mit dem Fuß aufstampfen und sagen `Ich will aber eine Stadtbahn´“. Stattdessen steuerte er das Unternehmen HOCHBAHN konsequent um: nachhaltige Kapazitätserweiterungen auf wichtigen MetroBus-Linien und konkrete Planungen, das Hamburger U-Bahn-Netz in den kommenden 15 Jahren um ein knappes Drittel zu erweitern.

Günter Elste: „Es war ein Geschenk für mich, an der Spitze der HOCHBAHN dem Gemeinwesen meiner Heimatstadt dienen zu können. Dass meine Mannschaft und ich das recht ordentlich hinbekommen haben, macht mich glücklich und stolz.“

Bevor Günter Elste (Jahrgang 1949) zur HOCHBAHN kam, war der Diplom-Kaufmann Geschäftsführer der Hamburger Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung. In dieser Funktion gehörte er seit 1989 dem Aufsichtsrat der HOCHBAHN an. Seine Karriere begann er im Planungsstab der Senatskanzlei. Von 1985 bis 1997 war Günter Elste zudem Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und von 1989 bis 1996 Vorsitzender der SPD-Fraktion.

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der HOCHBAHN und Nachfolger Günter Elstes: „Es sind große Fußspuren, die Günter Elste hinterlässt. Er hat die HOCHBAHN zu einem der erfolgreichsten Verkehrsunternehmen Deutschlands gemacht. Das empfinde ich als hervorragende Startposition. Mein persönlicher Dank gilt Günter Elste für die professionelle Übergabe und die sehr angenehme Zusammenarbeit in den letzten Monaten.“

 



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