Barrierefreier Ausbau auf der Zielgeraden

Betrieb und Kunden , Infrastruktur | 30.01.2018

  • 2018: Ausbauschwerpunkt auf dem östlichen Ast der U1
  • Bis Jahresende 80 Prozent aller Haltestellen barrierefrei
  • Lösungen für besonders herausfordernde Haltestellen gefunden

Dieses Jahr biegt der barrierefreie Ausbau der Hamburger U-Bahn-Haltestellen auf die Zielgerade ein: Im Jahr 2018 baut die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) an insgesamt 14 Haltestellen. Bis zum Jahresende werden 80 Prozent aller Haltestellen über Aufzüge, erhöhte Bahnsteige und Orientierungshilfen für sehbehinderte Menschen verfügen. Bis zum Jahr 2021 sollen dann sogar 95 Prozent aller Haltestellen auch älteren Menschen, Eltern mit Kinderwagen und Fahrgästen mit Handicap einen einfachen und bequem Zugang zur U-Bahn bieten.


Im laufenden Jahr werden allein acht Haltestellen barrierefrei: auf der U1 sind es die Haltestellen Langenhorn Nord und Meiendorfer Weg, auf der U2 die Haltestellen Hagendeel und Joachim-Mähl-Straße sowie auf der U3 die Haltestellen Hoheluftbrücke, Uhlandstraße, Lübecker Straße und Habichtstraße. Täglich nutzen insgesamt weit über 80 000 Fahrgäste diese Haltestellen.


Jens-Günter Lang, Technik-Vorstand der HOCHBAHN: "Mitte 2012 sind wir mit den Arbeiten im Rahmen des Senatsprogramms zum beschleunigten barrierefreien Ausbau gestartet. Damals lag der Anteil der barrierefreien Haltestellen bei gerade einmal gut 40 Prozent. Den Anteil in nur sechs Jahren zu verdoppeln, war ein enormer Kraftakt."

 

Sechs U1-Haltestellen auf einen Streich


Und der Kraftakt geht weiter. Die HOCHBAHN wird in diesem Jahr im Rahmen eines zusammenhängenden Großprojekts alle noch fehlenden Haltestellen auf dem östlichen Ast der U1 in Angriff nehmen: Lohmühlenstraße, Lübecker Straße, Ritterstraße, Wandsbeker Chaussee, Straßburger Straße und Alter Teichweg. Diese Haltestellen werden täglich von über 100 000 Fahrgästen genutzt. Beginnen wird der barrierefreie Ausbau der Haltestellen im Frühjahr 2018. Die Fertigstellung soll bis zum Sommer 2019 erfolgen.


Die Arbeiten, die nicht im laufenden Betrieb möglich sind und eine Betriebsunterbrechung erfordern, finden in den fahrgastschwächeren Sommerferien statt. Um die Einschränkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten, werden die erforderlichen Unterbrechungen in einer Wanderbaustelle für zwei Wochen vorgenommen. Die ersten zwei Ferienwochen (30.6.-15.7.) wird die U1 zwischen Hauptbahnhof und Wartenau unterbrochen. Es folgen die Abschnitte Wartenau bis Wandsbek Markt (16.7.-1.8.) und Wandsbek-Markt bis Wandsbek Gartenstadt (2.-17.8.).


Volker Schmidt, HOCHBAHN-Projektleiter für den barrierefreien Ausbau: "Aus den vergangenen Jahren wissen wir, dass es für die Kunden insgesamt deutlich besser ist, wenn wir die Einzelmaßnahmen zu einem Großpropjekt bündeln und in einem Rutsch abarbeiten. Mit der Wanderbaustelle und einem entsprechenden Ersatzverkehr werden wir die Einschränkungen weiter verringern."

 

Lösungen für besonders herausfordernde Haltestellen gefunden


Im Jahr 2019 starten dann die Arbeiten an den Haltestellen Fuhlsbüttel Nord, Klein Borstel und Landungsbrücken. Insbesondere die Haltestelle Landungsbrücken stellte die Planer vor besondere Herausforderungen. Der enge Kurvenradius verhinderte bislang die notwendige Erhöhung des Bahnsteiges bei einer gleichzeitig erforderlichen Verringerung des Abstandes (Spaltmaß) zwischen Fahrzeug und Bahnsteig. Die Lösung könnte der "Gapfiller" sein – eine Idee, die aus Australien stammt und derzeit erfolgreich an der Haltestelle Klosterstern getestet wird. Hierbei verrringern flexible Lamellen an der Bahnsteigkante den Abstand zum Fahrzeug.


Volker Schmidt: "Wir benötigen noch die technische Genehmigung, sind aber sehr zuversichtlich, dass wir diese zeitnah erhalten. Dadurch könnten wir den ansonsten erforderlichen Neubau der kompletten Haltestelle vermeiden."

Auch für die U1-Haltestelle Jungfernstieg gibt es mittlerweile eine Lösung, die den herausfordernden baulichen Gegebenheiten Rechnung trägt: Der Aufzug wird im Bereich der Zugangstreppen schräg gegenüber der Europapassage und südlich des Reesendamms eingebaut und direkt vom Bahnsteig an die Oberfläche geführt. Die Bauarbeiten starten hier zeitgleich mit vier weiteren Haltestellen in der Innenstadt: Rathaus, Mönckebergstraße, Meßberg und Steinstraße. Alle fünf Haltestellen sollen dann im darauffolgenden Jahr barrierefrei erreichbar sein.


Jens-Günter Lang: "Dann haben wir 95 Prozent aller Haltestellen im Hamburger U-Bahn-Netz barrierfrei ausgebaut. Im Rahmen des Senatsprogramms werden das dann knapp 50 Haltestellen in weniger als einem Jahrzehnt gewesen sein. Das ist ein echter Meilenstein für ein barrierefreies Hamburg."


Für den barrierefreien Ausbau der Haltestelle Sternschanze, die durch einen extrem engen Kurvenradius, einen sehr schmalen Bahnsteig und eine niedrige Deckenhöhe gekennzeichnet ist, laufen aktuell Machbarkeitsuntersuchungen. Hier gibt es noch keinen endgültigen Terminplan. Der Ausbau der vier verbleibenden Haltestellen Sierichstraße, Saarlandstraße, Hudtwalckerstraße und Alsterdorf folgt dann 2022 bzw. 2024 im Zuge umfangreicher Streckensanierungen.

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