Digitalisierung für mehr Fahrgäste

Unternehmen, Infrastruktur | 23.06.2016

• 2015: 6,4 Millionen mehr Fahrgäste in U-Bahnen und Bussen
• Digitalisierungsstrategie für neue Mobilität und mehr Kunden
• Betriebsergebnis deutlich verbessert, Kostendeckungsgrad gehalten

Die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) kann auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurückblicken: Nach zwei Jahren mit einem insgesamt schwächeren Wachstum stiegen die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent. Damit nutzten rund 6,4 Millionen mehr Fahrgäste das U-Bahn- und Busangebot der HOCHBAHN. Auch wirtschaftlich ist die Bilanz positiv. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um rund 54 Prozent auf 44,6 Millionen Euro. Der Jahresfehlbetrag stieg auf 60,2 Millionen Euro (2014: 55,4 Millionen Euro) und damit um rund fünf Millionen Euro weniger als geplant. Der Kostendeckungsgrad konnte mit 89,6 Prozent (2014: 90 Prozent) annähernd stabil gehalten werden.


Der Aufsichtsratsvorsitzende Senator Frank Horch, Präses der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, betonte anlässlich der Vorstellung des Jahresabschlusses der HOCHBAHN: „Auch im vergangenen Jahr konnte die HOCHBAHN ein im nationalen wie internationalen Vergleich beeindruckendes Ergebnis erzielen. Deutliche Fahrgastzahlensteigerungen in Kombination mit einer hohen Wirtschaftlichkeit sind keinesfalls selbstverständlich. Vor allem die hohen Investitionen der HOCHBAHN führen zu steigenden Kapitalkosten. Sie sind aber notwendig, weil sie die Grundlage für den nachhaltigen Ausbau des Hamburger Nahverkehrs bilden. Dies gilt nicht nur für den U-Bahn-Netzausbau mit U4 und U5, sondern auch für Investitionen in Fahrzeuge, Betriebshöfe und Werkstätten.“


Das Ziel, die Fahrgastzahlen weiter zu steigern und noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen zu bewegen, bleibe das dominierende strategische Ziel des Unternehmens, betonte Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der 

 

HOCHBAHN: „Ein attraktiver, konsequent auf den Kunden ausgerichteter öffentlicher Nahverkehr ist ein entscheidender Hebel für eine mobile und attraktive Stadt.“ Hamburg habe mit der HOCHBAHN ein Verkehrsunternehmen mit einer gesunden wirtschaftlichen Basis und einem sehr zuverlässigen und qualitativ hochwertigem Angebot. Hierzu zählten vor allem ein ausreichendes Kapazitätsangebot, Verlässlichkeit, Schnelligkeit und Komfort, so der HOCHBAHN-Chef. Diesen Kurs gelte es fortzusetzen, gleichzeitig aber auch die Chancen der Digitalisierung für den Nahverkehr zu nutzen.


Digitalisierungsprojekte vorantreiben
Eine wichtige Stellschraube ist die noch bessere Information der Fahrgäste durch Echtzeitinformationen. Nachdem Echtzeitinformationen für alle Fahrzeuge schon seit Mitte 2014 über Abfahrtsmonitore verfügbar sind und für U-Bahnen darüber hinaus auch schon auf der Internetseite und in der App, wird dieser Service ab Anfang 2017 kanalübergreifend auch für alle Buslinien gelten.


Schon seit Ende April läuft die Testphase zur Einführung des kostenfreien WLAN-Zugangs auf der MetroBus-Linie 5 und zwei U-Bahn-Haltestellen. Nach knapp zwei Monaten sprechen Kundenreaktionen, Zugriffszahlen und abgerufenes Datenvolumen für einen sehr guten Zuspruch. Eine abschließende Bewertung erfolgt im Herbst. Ziel ist, WLAN zeitnah und flächendeckend in allen Bussen und U-Bahn-Haltestellen einzuführen.


Ein weiteres Projekt konzentriert sich auf den Ersatz des herkömmlichen Ticketing. Für den gesamten HVV treibt die HOCHBAHN das Projekt Check-in / Be-out voran. Aktuell läuft eine europaweite Ausschreibung, um einen Überblick über verschiedene technische Lösungen zu erhalten. Schon im kommenden Jahr wird der erste Testbetrieb (auf ausgewählten HVV-Verbindungen, unter anderem auf der MetroBus-Linie 5) laufen. Ziel ist die Ausweitung auf das gesamte HVV-Netz.


Henrik Falk: „Wir wollen die Chancen, die uns die Digitalisierung bietet, nutzen, um eine neue Mobilität auf die Beine zu stellen, die den Besitz eines eigenen Pkw perspektivisch überflüssig macht. Dafür müssen wir konsequent vom Kunden her denken. Dieser möchte die Fahrzeit für Unterhaltung oder die Organisation seines Alltags nutzen. Unsere Antwort: WLAN. Er möchte sich ohne Bargeld und ohne sich mit dem Tarifsystem beschäftigen zu müssen durch Hamburg bewegen. Unsere Antwort: Check-in / Be-out. Diese Projekte sind die ersten Meilensteine auf einer Digitalisierungs-Roadmap für eine neue Mobilität.“


Den schnellen und einfachen Zugriff auf flexible Mobilitätsangebote für jeden Anlass soll das Projekt switchh ermöglichen. Für die Fälle, in denen Busse und Bahnen nicht die optimale Mobilität liefern, bieten sich dem switchher bequeme Alternativen zum teuren Pkw-Besitz, nämlich passgenaue Sharing-Angebote. Noch in diesem Jahr erfolgt die Marktöffnung: Alle HVV-Nutzer – und nicht wie bislang nur die HVV-Abonnenten – können künftig neben den Angeboten der Partner car2go und StadtRAD auch die Produkte der neuen Partner DriveNow und cambio nutzen. Mit cambio ist damit auch ein Anbieter mit stationären Diensten im Portfolio.


switchh wird parallel zur Leistungsausweitung weiter entwickelt. Ziel ist es, eine einheitliche Mobilitätsplattform von öffentlichem Nahverkehr und allen Sharing-Mobilitätsangeboten zu schaffen.


Henrik Falk: „Die Digitalisierung wird Sharing-Mobilität zum Standard machen. Wir haben mit dem Smartphone die Möglichkeit, unsere Mobilität frei und selbstbestimmt zu organisieren. Für diese Freiheit musste früher möglichst mit 18 Jahren ein Auto her. Heute – und künftig noch viel stärker – bietet mir das Smartphone den Zugang zu dieser Freiheit. Hier werden wir als Unternehmen ansetzen, um unseren künftigen Fahrgästen ein Maximum an mobiler Freiheit zu ermöglichen und sie so an uns zu binden.“


2015: Kostendeckungsgrad gehalten, Betriebsergebnis deutlich gesteigert
Der Vorstandsvorsitzende betonte anlässlich des Rückblicks auf das vergangene Geschäftsjahr, dass Kundenbindung durch digitale Angebote nur greife, wenn das U-Bahn- und Busangebot verlässlich, kundenorientiert und wirtschaftlich betrieben werde. „Dafür steht der Name HOCHBAHN in der deutschen Nahverkehrslandschaft. In meinen ersten sechs Monaten hat sich dieses Bild eindrücklich bei mir bestätigt“, so Henrik Falk.


Die Bilanz des Geschäftsjahres 2015 fällt positiv aus: Neben einer deutlichen Ausweitung des Verkehrsangebots in den vergangenen Jahren sowohl im U-Bahn- wie auch im Busbereich ist insbesondere die Investitionstätigkeit der HOCHBAHN beträchtlich. Die Gesamtinvestitionen der HOCHBAHN beliefen sich allein im Jahr 2015 auf rund 225 Millionen Euro. Die daraus resultierenden Kapitalkosten (Abschreibungen und Zinsen) stiegen im vergangenen Jahr um rund 6,8 Millionen Euro und wirkten wie auch eine Wertberichtigung bei den Beteiligungen ergebnisbelastend.


Der Kostendeckungsgrad konnte annähernd auf dem Rekordnivau gehalten werden. Er lag im Jahr 2015 bei 89,6 Prozent (2014: 90,0 Prozent). Gleichzeitig stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 54 Prozent auf einen neuen Rekordwert: 44,6 Millionen Euro (2014: 29,1 Millionen Euro).
HOCHBAHN-Finanzvorstand Helmut König: „Die deutliche Steigerung des EBITDA ist ein sehr erfreuliches Ergebnis. Neben den Mitteln, die für den regulären Betrieb notwendig sind, können wir wichtige Investitionen zu einem beträchtlichen Teil aus eigener Kraft stemmen. Und diese Investitionen sind notwendig, um die hohe Qualität des Hamburger Verkehrsangebotes auch in Zukunft sicherzustellen.“


Allein für den Zeitraum von 2011 bis 2018 liegen die Bruttoinvestitionen der HOCHBAHN bei rund 1,7 Milliarden Euro. Hierunter fallen unter anderem folgende wichtige Projekte:

  •  Über 400 Millionen Euro (2015: knapp 108 Millionen Euro) entfallen auf die neuen DT5-Fahrzeuge, von denen aktuell schon 45 Fahrzeuge in Hamburg sind. In den kommenden Jahren wird die Flotte auf insgesamt 118 Fahrzeuge anwachsen.
  •  Knapp 130 Millionen Euro (2015: knapp 10 Millionen Euro) sichern die betriebliche Infrastruktur in Gestalt der neuen Busbetriebshöfe Harburg, Billbrookdeich, Langenfelde und Gleisdreieck (in Bau) sowie der neuen U-Bahn-Werkstatt in Billstedt.
  • Investitionen im Umfang von 114 Millionen Euro (2015: knapp 12 Millionen Euro) fließen in dem Zeitraum in den barrierefreien Ausbau der U-Bahn-Haltestellen. Die Phase 1 des senatsfinanzierten Programms konnte erfolgreich abge-schlossen werden. Die Phase 2 ist bereits angelaufen. Aktuell befinden sich neun Haltestellen zeitgleich im barrierefreien Ausbau – mehr als je zuvor.
  • Die Verlängerung der U4 liegt im Zeit- und Kostenplan. Für die Strecke bis zu den Elbbrücken sind 178 Millionen Euro veranschlagt, die Inbetriebnahme soll 2018 erfolgen.

U-Bahn-Netz-Erweiterung – Bürgerbeteiligung angelaufen
Mit hohem Einsatz verfolgt die HOCHBAHN auch die U-Bahn-Netzerweiterung. Für die U5 Ost (Bramfeld–City Nord) und die U4-Ausfädelung Richtung Horner Geest konnten im Frühjahr die Machbarkeitsuntersuchungen mit jeweils einer Vorzugsvariante erfolgreich abgeschlossen werden. Parallel mit dem Beginn der Planungen hat die HOCHBAHN nun ein umfassendes Bürgerbeteiligungsverfahren gestartet. Entlang der künftigen Strecken sollen die Anwohnerinnen und Anwohner in Veranstaltungen über das Vorhaben informiert sowie deren Bedürfnisse und Erwartungen in den Planungsprozess mit einbezogen werden.
Senator Frank Horch: „Großprojekte erfordern eine intensive Kommunikation vor Ort. Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg legt auf die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger großen Wert. Ich bin überzeugt, dass die HOCHBAHN hier die richtigen Wege findet.“
Henrik Falk betonte: „Der Planungen in jedes Schienensystem sind sehr komplex und erfordern viel Sorgfalt und Zeit. Wir haben die verschiedenen Ausbauprojekte jetzt optimal aufeinander abgestimmt. Ganz wichtig ist aber auch, dass ein solches Verkehrsprojekt auf die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürgern stoßen muss. Die Erfahrungen zeigen, dass es ohne eine Einbeziehung der Menschen vor Ort nicht geht.“

 

 

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