Mythos Steilshoop: Existiert längst eine U-Bahn-Haltestelle?

Betrieb und Kunden , Infrastruktur | 24.03.2017

Seit Jahrzehnten hält sich hartnäckig das Gerücht, unter oder neben dem Einkaufszentrum in Steilshoop befände sich bereits eine fertig gebaute U-Bahn-Haltestelle. Nicht nur auf Veranstaltungen zur aktuellen U-Bahn-Planung der U5 Ost in Steilshoop, auch im Internet und unter Anwohnern wird dieser Mythos diskutiert.


Im Rahmen der aktuellen Planungen zur U5 haben die Planer der HOCHBAHN insbesondere den Baugrund entlang der geplanten Trasse und dort angrenzende Bauwerke in Augenschein genommen. Dafür wurden Bauakten der Bezirksämter und Unterlagen aus den Archiven der Stadt Hamburg und der HOCHBAHN zu Rate gezogen. Auch der Boden entlang der Trasse wurden mit Probebohrungen auf seine Zusammensetzung untersucht. Nirgendwo fand sich ein Hinweis auf eine fertig gebaute Haltestelle.


Lediglich alte U-Bahn-Planungen aus den 1970er Jahren sind belegt. Diese Planungen sahen vor, eine U-Bahn nach Bramfeld zu bauen und eine Haltestelle neben dem Einkaufszentrum bzw. unter der Gründgensstraße zu bauen. Aus finanziellen Gründen wurden diese Planungen dann jedoch verworfen.


Die HOCHBAHN hat außerdem Augenzeugen aufgerufen, sich mit Hinweisen zur vermeintlichen Haltestelle zu melden. Mehr als 60 Rückmeldungen von heutigen oder ehemaligen Bewohnern aus Steilshoop sind im Vorfeld eingegangen. Zu den häufigsten Hinweisen zählen diverse Türen im Einkaufszentrum, der Fußgängertunnel unter dem EKZ sowie Spundwände in Richtung Kirche. Viele Augenzeugen wollen auch Schienen bzw. fertige Gleisbetten in Steilshoop gesehen haben.


Am 24. März 2017 lädt die HOCHBAHN gemeinsam mit Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff zu einem Termin vor Ort. Im Rahmen dessen werden die Ergebnisse aller Nachforschungen präsentiert.

 

Hintergrund: Steilshoop – Stadtteilinfos

Allgemeines:

  • ursprünglich „Steilshop“ geschrieben
  • „Steils“ bezeichnet vermutlich den Namen einer Bauernfamilie oder die Lage des Hofes auf einem steilen Hang
  • „Hop“ steht im Niederdeutschen für Hof
  • heute: ca. 19.300 Einwohner
  • Steilshoop besteht aus Ortsteilen Neu-Steilshoop und Alt-Steilshoop (Fläche: 2,5 km³
  • Neu-Steilshoop: in 1970er-Jahren entstandene Großwohnsiedlung mit insgesamt 20 ringförmigen Wohnblocks in V-Form angeordnet
  • Alt-Steilshoop: Bereich südlich der Steilshooper Allee, überwiegend Mehrfamilienhäuser und Wohnblocks in Klinkerbauweise aus den 1920er- und 1930er-Jahren

 

Geschichte:

  • 1347 erstmals urkundlich erwähnt
  • bis ins späte 18. Jahrhundert kaum bebaut und besiedelt
  • Beginn des 20. Jahrhunderts: erste Kleingärten und in Grünparzellen bescheidene Sommerhäuschen (nur saisonale Nutzung)
  • 1937/38: Steilshoop (seither diese Schreibweise) offiziell in die Hansestadt eingemeindet (Groß-Hamburg-Gesetz)
  • 1939 bis 1945: Sommerhäuschen dienen als vorrübergehende Unterkunft für ausgebombte Hamburger
  • seit 1945: Stadtteil gehört zu Bezirk Wandsbek

 

Grundidee der Stadtplanung: „Urbanität durch Dichte“

  • Problem Anfang der 1960er Jahre: stetiges Wirtschaftwachstum, weiterer Zuzug von Bevölkerung, Bedarf an neuen Wohnungen groß
  • Lösung: Wohnungsbau ankurbeln durch Errichtung von Großsiedlungen am Stadtrand (Aufbauplan von Hamburgs Oberbaudirektor Werner Hebebrand)
  • Vorteile dieser Siedlungen:
  • geringer Flächenverbrauch durch höhere und dichtere Bebauung
  • alle Versorgungseinrichtungen des täglichen Lebens in Siedlung vorhanden (Schulen, Kindergärten, Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten)
  • Siedlungen müssen nur zum Arbeiten verlassen werden („Schlafstädte“)
  • „Urbanität durch Dichte“ wird zum prägenden Schlagwort der Stadtplanung

 

Bau der Großwohnsiedlung Steilshoop zwischen Ende der 1960er Jahre und 1977

  • Bau in Montagebauweise: riesige, oft geschosshohe Fertigteile wurden in mobilen Fertigungsanlagen meist in unmittelbarer Nähe zu den Baustellen hergestellt und sofort verbaut
  • schienengestützte Kräne hievten etwa zimmergroße Fertigteile an ihren Platz, wo sie dann endmontiert wurden
  • dafür wurden während des Baus der Siedlung Schienen verlegt
  • Vorteile dieser Bauweise: kostengünstig, kürzere Bauzeit, gute Werte bei Schall- und Wärmedämmung, hoher Gebäudestandard (Zentralheizungen, Aufzüge etc.)
  • Siedlung „auf der grünen Wiese“: Fläche von 1500 x 500 Metern, orientiert an einer zentralen Fußgängerachse, insgesamt 20 ringförmige vier- bis zehngeschossige Wohnblocks mit geschlossenen Innenhöfen in V-Form angeordnet
  • zentral gelegen: Einrichtungen für das tägliche Leben
  • insgesamt 6.700 Wohneinheiten für mehr als 16.400 Bewohner (heute: 4.000 Bewohner unter 18 Jahren)

 

Verkehrsanbindung des Stadtteils

  • Weg zur Arbeit sollte mit eigenem Auto zurückgelegt werden
  • als Pendant zu „Schlafstädten“ entstand in 1960er und 1970er Jahren „Arbeitsstadt“ wie City Nord
  • Verkehrsplanung auf Autos zugeschnitten: viele Parkhäuser und Abstellflächen in Steilshoop
  • nur wenige Buslinien, die Zubringerfunktion zu den Schnellbahn-Haltestellen erfüllten

 

Planspiel U-Bahn

  • Eine U-Bahn-Anbindung wurde beim Bau der Großsiedlung Steilshoop nicht realisiert. Einzelne Bebauungspläne legen allerdings den Schluss nahe, dass der Hamburgische Senat 1968 beschloss, das gesamte U-Bahn-Netz zu überplanen und im Zuge dessen auch plante, eine U-Bahn von Barmbek nach Bramfeld zu bauen. Dabei sollte die Siedlung Steilshoop mit einer Haltestelle unter der Gründgensstraße angebunden werden.
  • Allerdings zwang die Ölkrise 1972/73 mit der anschließenden, tiefgreifenden Wirtschaftkrise die Stadt zu einem strikten Sparkurs, dem auch alle Planungen zum Ausbau des U-Bahn-Netzes zum Opfer fielen.

 

Erkenntnisse aus aktueller U-Bahn-Planung

  • keine im Rohbau fertige U-Bahn-Haltestelle unter der Gründgensstraße gefunden
  • Baugrundaufschlüsse in der Gründgensstraße haben keine Hinweise auf Haltestelle geliefert
  • Fußgängertunnel zum Einkaufszentrum in Optik einer typischen U-Bahn-Haltestelle

 

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