Nachhaltige Mobilität für Kunden und Umwelt

Unternehmen, Betrieb und Kunden , Infrastruktur , Innovative Antriebstechnologien, Komplementäre Mobilität | 19.06.2017

• Jahresergebnis um rund 10 Millionen Euro verbessert
• Weiter steigende Fahrgastzahlen und Millioneninvestitionen in die Zukunft
• Digitalisierungsstrategie HOCHBAHN#2030 auf Kurs

 

Die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Die Fahrgastzahlen stiegen im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf den Rekordwert von 444,1 Millionen (2015: 437,5 Millionen). Damit nutzten rund 6,6 Millionen mehr Fahrgäste das Bus- und U-Bahn-Angebot der HOCHBAHN. Die Umsatzerlöse stiegen auf 508,6 Millionen Euro. Ihr Jahresergebnis konnte die HOCHBAHN 2016 um 10 Millionen Euro verbessern, der Jahresfehlbetrag sank auf 50,9 Millionen Euro (2015: 60,2 Millionen Euro). Damit konnte der Kostendeckungsgrad nochmals gesteigert werden - auf nunmehr 91,6 Prozent (2015: 89,6 Prozent).


Der Aufsichtsratsvorsitzende Senator Frank Horch, Präses der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, betonte anlässlich der Vorstellung des Jahresabschlusses der HOCHBAHN: „2016 war ein echtes Erfolgsjahr für die HOCHBAHN und damit auch für Hamburg – und das nicht nur mit einem hervorragenden Wirtschaftsergebnis. Wir konnten auch wichtige Weichen für die Zukunft stellen: Der U-Bahn-Netzausbau und der barrierefreie Ausbau des bestehenden Systems schreiten planmäßig voran, die DT5-Flotte wächst stetig an und der Umstieg auf eine emissionsfreie Busflotte läuft. Das alles macht den Hamburger Nahverkehr noch attraktiver und wird noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegen.“


Komplette Umstellung auf Elektromobilität
Das Ziel, die Fahrgastzahlen weiter zu steigern und noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen zu bewegen, bleibe der entscheidende Hebel für eine
mobile und lebenswerte Stadt und damit das dominierende strategische Ziel des Unternehmens, betonte Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der HOCHBAHN. Dabei sei die Umstellung der Busflotte auf emissionsfreie Antriebe wohl die derzeit größte Herausforderung. „Ab 2020 werden wir nur noch emissionsfreie E-Busse kaufen. Hier haben wir mit der bundesweiten Beschaffungsinitiative, die von Hamburg ausging, ein klares Signal Richtung Hersteller gesetzt. Ganz konkret wird die Beschaffung noch in diesem Sommer. Dann starten wir für Hamburg eine Ausschreibung über insgesamt 60 Elektrobusse, die wir 2020 im Einsatz haben wollen.“


Im vergangenen Jahr hatten Hamburg und Berlin eine Initiative zur gemeinsamen Beschaffung von Elektrobussen gegründet. Mittlerweile sind auch die Verkehrsunternehmen aus Stuttgart, München, Düsseldorf, Köln und Darmstadt dabei. Die Initiative, die für weitere Städte offen steht, hat insbesondere das Ziel, über eine Standardisierung der Technik und Skaleneffekte durch größere Abnahmemengen Anschaffungspreise für Elektrobusse zu erzielen, die mit denen für heutige Dieselbusse vergleichbar sind.


„Aber auch die Bereitstellung der Infrastruktur fordert uns“, so Henrik Falk weiter. „Hierzu zählen nicht nur der Neubau eines komplett auf E-Busse ausgerichteten Betriebshofs und der Umbau aller bestehenden Standorte. Wir werden eine komplett neue Software für die Steuerung der Betriebshöfe und zur Koordination der Flotte durch die Leitstelle umsetzen und dabei alle Chancen konsequent nutzen, die uns die Digitalisierung bietet.“


Im Jahr 2018 geht der neue HOCHBAHN-Busbetriebshof in Alsterdorf in Betrieb, der in den darauffolgenden Jahren 240 emissionsarme E-Busse aufnehmen wird. 70 Millionen Euro Investitionen sind für den Bau veranschlagt. Gleichzeitig beginnt der Umbau der Infrastruktur (u.a. Stromversorgung, Ladetechnik, Werkstätten) auf allen weiteren Busbetriebshöfen in Harburg, Wandsbek, Hummelsbüttel und Langenfelde.


Millioneninvestitionen in U-Bahn-Flotte, U-Bahn-Netzausbau und Barrierefreiheit
Insgesamt investierte die HOCHBAHN im vergangenen Jahr – wie schon im Vorjahr –rund 225 Millionen Euro. „Damit haben wir seit 2011 eine knappe Milliarde Euro für unsere Kunden und die Umwelt investiert“, betonte HOCHBAHN-Finanzvorstand
Helmut König
. „Und die Investitionen in den nächsten Jahren werden ansteigen. Alleine für die Modernisierung und Umstellung der Busflotte planen wir einschließlich 2019 Investitionen von weit über 200 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die komplette Umstellung auf Euro-5- bzw. Euro-6-Norm und die Anschaffung der ersten serienreifen Elektrobusse.“


Weitere wichtige Investitionsprojekte der HOCHBAHN umfassen
• die Modernisierung der U-Bahn-Flotte: Für über 550 Millionen Euro wird die HOCHBAHN bis 2019 insgesamt 118 neue Fahrzeuge vom Typ DT5 beschaffen.
• den barrierefreien Ausbau des Bestandsnetzes: Im Jahr 2016 investierte die HOCHBAHN 11,6 Millionen Euro. Für 2017 sind über 40 Millionen Euro veranschlagt. Allein in diesem Jahr wird zeitgleich an neun Haltestellen parallel gebaut. Bis zum Anfang des nächsten Jahrzehnts sollen alle Haltestellen barrierefrei ausgebaut sein.
• den U-Bahn-Netzausbau: Für die Verlängerung der U4 zu den Elbbrücken fielen im vergangenen Jahr Investitionen in Höhe von rund 26 Millionen Euro an. Für 2017 sind rund 30 Millionen Euro geplant. 2018 soll das Gesamtprojekt abgeschlossen sein. Nach aktuellen Schätzungen dürfte der Kostenrahmen von knapp 180 Millionen Euro deutlich unterschritten werden. Parallel dazu laufen die Planungen für die neue U1-Haltestelle Oldenfelde, die U4-Verlängerung auf die Horner Geest und den Bau der Linie U5. Die U5 ist dabei das bei weitem größte Projekt. Sie soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts wichtige Großwohnsiedlungen an die Hamburger Innenstadt anbinden und hochfrequentierte MetroBus-Linien entlasten. Der Bau der aufgrund der steigenden Fahrzeugzahl notwendigen neuen U-Bahn-Betriebswerkstadt in Billstedt wird noch in diesem Sommer beginnen. Alle Projekte werden von einer umfassenden und frühen Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger begleitet.


Finanzvorstand Helmut König: „Das gute Ergebnis aufgrund steigender Fahrgastzahlen geben wir mit den Investitionen an unsere Kunden zurück – für mehr Komfort und eine umweltverträgliche Mobilität.“


Digitalisierungsprojekte vorantreiben
HOCHBAHN-Chef Henrik Falk betonte die Bedeutung der Digitalisierungsstrategie HOCHBAHN#2030 für ein erfolgreiches und zukunftsfähiges Mobilitätsangebot in Hamburg: „Nur wenn wir die Digitalisierung des Unternehmens und des Angebotes konsequent umsetzen, werden wir unser ambitioniertes Ziel erreichen, die Mobilität noch kunden- und umweltfreundlicher und dadurch unsere Stadt noch lebenswerter zu machen.“ Er verwies dabei neben den laufenden Softwareprojekten für die Steuerung der E-Bus-Flotte auf weitere Digitalisierungsprojekte innerhalb des Unternehmens:
• die Entwicklung neuer, automatisch fahrender U-Bahnen vom Typ DT6: Aktuell laufen die ersten Vorbereitungen. Hierbei wird unter anderem auf Zukunftsforscher zurückgegriffen, um eine nutzerorientierte Ausgestaltung der Fahrzeuge projizieren und umsetzen zu können. Die ersten Fahrzeuge sollen zu Anfang des kommenden Jahrzehnts eingesetzt werden.
Predictive maintenance (vorausschauende Instandhaltung): Das Ziel dieses Projektes ist es vor allem, über gesammelte Daten heraufziehende Probleme zu erkennen, um einzugreifen, bevor es zu einem Stillstand kommt. Diese Projekte könnten nicht nur bei Fahrzeugen, sondern auch bei Rolltreppen und Aufzügen Stillstandzeiten durch optimierte Wartungen minimieren.
Platzampel: Unter diesem Arbeitstitel bereitet die HOCHBAHN gerade eine Installation auf der U1-Haltestelle Wandsbek Markt vor, die anzeigen soll, an welchen Stellen der nächste einfahrende Zug vollbesetzt ist und wo noch Plätze vorhanden sind. Damit soll untersucht werden, ob die Anzeige zu einer gleichmäßigeren und damit kundenfreundlicheren Auslastung führt. Diese Idee wurde im letzten Jahr im Rahmen eines Prototyping-Verfahrens entwickelt.


Senator Frank Horch: „Mit intelligenten und nachhaltigen Angeboten stärken wir nicht nur unseren Nahverkehr, sondern unterstreichen auch unsere Ambitionen, Modellstadt für moderne urbane Mobilität in Deutschland und Ausrichter des ITS-Weltkongresses 2021 zu werden.“


Der Hochbahn-Chef Henrik Falk gab im Rahmen der Pressekonferenz zudem einen Einblick in den Stand der im vergangenen Jahr angeschobenen Digitalisierungsprojekte im Kundenbereich:
• Das WLAN-Projekt befindet sich im Ausbau. Ende 2018 sind alle U-Bahn-Haltestellen mit kostenfreiem WLAN-Zugang ausgerüstet. Schon Ende dieses Jahres wird der Großteil der HOCHBAHN-Busflotte über diesen Service verfügen.
• Die Anzeige von Echtzeitdaten im Busbetrieb online und auf der HVV-App wurde zum Jahresanfang erfolgreich eingeführt und ergänzt die U-Bahn-Daten, die schon seit einigen Jahren in Echtzeit vorliegen.
USB-Buchsen zum Aufladen von Handys in den Fahrzeugen: Alle vorhandenen und künftigen DT5-Fahrzeuge und die neueste Busgeneration (CapaCity L) verfügen über USB-Ladebuchsen.
Check-In/Be-out: Das HVV-weite Projekt, das ein einfaches Online-Bezahlen mit Bestpreisgarantie per Smartphone bietet, wird im kommenden Jahr in einem Pilotbetrieb getestet.
switchh: Neben der laufenden Entwicklung der Mobilitätsplattform ist eine deutliche Erweiterung der Infrastruktur vorgesehen. So sollen bis Ende 2019 bis zu 100 switchh-Punkte eingerichtet werden.


Henrik Falk: „Die Kunden erwarten ein bedarfsgerechtes Angebot, wenn sie uns als gleichwertiges oder überlegenes Angebot gegenüber dem Pkw wahrnehmen sollen. Diese Digitalisierungsprojekte knüpfen genau an diesen Bedarfen an. Dass wir dabei vor allem auch jüngere Zielgruppen ansprechen, ist gewollt. Denn gerade diese Gruppe steht vor der Entscheidung, auf Führerschein und eigenen Pkw oder auf die intelligente Form der Mobilität zu setzen. Durch die Digitalisierung wird shared mobility – und das sind vor allem Bus und Bahn – zum Standard innerstädtischer Mobilität.“