Sozialsenatorin verleiht Max-Brauer-Preis

Unternehmen | 26.09.2019

  • Gewinnerarbeit zur Prognose und Verhinderung von Zugschäden
  • Forschungsarbeiten für zukunftsfähigen Nahverkehr prämiert
  • 11 000 Euro Preisgeld für vier Abschlussarbeiten ausgeschüttet

Wartung ist gut, Vorhersagen noch besser. Die Bürgermeister Dr. h.c. Max-Brauer-Stiftung für Begabtenförderung hat heute vier Hochschulabsolventen für ihre wissen-schaftlichen Abschlussarbeiten zur Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Hansestadt ausgezeichnet. Den ersten Preis vergaben Hamburgs Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard und Prof. Dr. Michael Stawicki an den 29-jährigen Sebastian von Hartz. Ausgezeichnet wurde er für seine von der Wilhelm Büchner Hochschule Darmstadt betreute Bachelorarbeit zur Analyse der Einsatzmöglichkeiten einer vorausschauenden Instandhaltung (Predictive Maintenance) bei U-Bahnen.

Entstanden ist die Arbeit zu diesem praxisnahen Thema in Kooperation mit der Ham-burger Hochbahn (HOCHBAHN). In seiner Arbeit prüfte von Hartz, ob und in wel-chem Rahmen durch die Erhebung und Auswertung bestimmter Messdaten Tür-störungen an U-Bahnen vorhersehbar sind, bevor ein etwaiger Fehler auftritt und ein „schadhafter Zug“ den laufenden Betrieb und damit Kundinnen und Kunden stört.

Konkret entwickelte der gebürtige Celler ein Predictive Maintenance System für die neue U-Bahn-Generation DT5. Seine besondere Vorgabe war es, dass dabei kosten- und ressourcensparend keine zusätzlichen Sensoren verbaut werden müs-sen. Nach Analyse des komplexen Türsystems und der beim Öffnen und Schließen anfallenden Messwerte stellte er eine Versuchsreihe auf, um experimentell die Aus-wirkungen von verschiedenen Manipulationen zu bestimmen. Es gelang ihm nach-zuweisen, dass jede defekte Komponente eine eigene typische Signatur in den Messdaten erzeugt und es somit möglich ist, ein beschädigtes Bauteil anhand der Daten bereits vor dem Ausfall zu erkennen.

Die HOCHBAHN prüft derzeit, wie das Verfahren eingesetzt werden kann, um die Qualität der Fahrzeuge für Kundinnen und Kunden weiter zu verbessern. Für seine Leistung erhält Sebastian von Hartz ein Preisgeld in Höhe von 5 000 Euro.

 

Praxisnahe Forschung fördern

Die Stiftung der HOCHBAHN verleiht den Max-Brauer-Preis alle zwei Jahre. In diesem Jahr wurden erstmals eine Preisträgerin und drei Preisträger mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 11 000 Euro prämiert.

Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: „Moderne, leistungsfähige Verkehrssysteme sorgen dafür, dass alle Menschen gleichermaßen an ihr Ziel in unserer Stadt kommen: Sie spielen damit eine wichtige Rolle für gesellschaftliche Teilhabe. Nachhaltige Mobilität ist ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Stadtgesellschaft: Sie schafft wichtige Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum und verringert zugleich klimaschädliche Emissionen. Die mit dem Max-Brauer-Preis ausgezeichneten Arbeiten beweisen, welches Potential für Innovationen wir hier entfalten können.“

Prof. Dr. Michael Stawicki, Vorstandsvorsitzender der Stiftung und ehemaliger Präsident der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg: „Entscheidend ist für uns das tatsächliche Potenzial der Forschung für die Mobilität von morgen. Wir möchten Nachwuchskräfte darin bestärken, sich aktiv an der Gestaltung neuer Lösungen für den ÖPNV zu beteiligen. Die ausgezeichneten Abschlussarbeiten zeigen in sehr unterschiedlichen Anwendungsfeldern einen deutlichen Nutzen für die Praxis auf.“

Die zweitplatzierte Arbeit im Wettbewerb der Max-Brauer-Stiftung von Lukas M. Müller aus Quedlinburg beschäftigt sich in seiner von der FH Wedel betreuten Masterarbeit mit hierarchischen Algorithmen in der Fahrplanauskunft. Seine Aufgabe war es, die Routensuche so zu optimieren, dass der Rechenaufwand in der Fahrplanauskunft verringert wird und Ergebnisse den Kundinnen und Kunden somitschneller vorliegen. Dabei entwickelte er ein System aus Hierarchieebenen für die einzelnen Verkehrssysteme, implementierte sein Datenmodell erfolgreich und konnte die verbesserten Rechenzeiten so schließlich nachweisen. Für seine Abschlussarbeit wird er mit einem Preisgeld in Höhe von 3 000 Euro ausgezeichnet.

 

Zusätzliche Auszeichnung für praxisnahe Themen

Der dritte Preis wurde in diesem Jahr erstmals doppelt vergeben, da das Gutachtergremium zwei Arbeiten als gleichwertig hinsichtlich der Ausarbeitung und Relevanz bewertete. Das Preisgeld in Höhe von jeweils 1 500 Euro erhalten Fritz Kuch und Larissa Vivien Schütz. Fritz Kuch beschäftigte sich in seiner Bachelorarbeit an der Hochschule seiner Heimatstadt Heilbronn mit der betrieblichen Stabilität des Opportunity-Charging am Beispiel der HOCHBAHN. Beim sogenannten „Opportunity Charging“ werden die Batterien während des laufenden Betriebes an den Endhaltestellen nachgeladen. Die fahrplanmäßig hierfür vorgesehenen Aufenthaltszeiten können jedoch durch diverse Einflüsse im täglichen Betrieb nicht immer gewährleistet werden. Kuch stellte sich daher die Frage, wie dieser Umstand bei der Anordnung und Anzahl der Ladepunkte berücksichtigt werden kann.

Die ebenfalls Drittplatzierte Larissa Vivien Schütz verfasste ihre Arbeit zur Berechnung der Festigkeit eines durch Laserstrahlschmelzen hergestellten Bauteils in der DT4-Bremseinheit. Im Gegensatz zu konventionell hergestellten Stahlbauteilen existiert für mit diesem innovativen Verfahren hergestellte Bauteile bislang noch kein anerkanntes Vorgehen zur Festigkeitsberechnung. Mit Hilfe der Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit wägt die Hamburgerin ab, ob die Fertigung durch das Laserstrahlschmelz-Verfahren sinnvoll und zulässig ist. Schütz‘ Abschlussarbeit entstand an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Die Max-Brauer-Stiftung ist 1961 von der HOCHBAHN gegründet worden. Für Max Brauer, ehemaliger Bürgermeister von Altona und Hamburg, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der HOCHBAHN und selbst Autodidakt, hatten die Begabtenförderung und die Herstellung von Chancengleichheit einen hohen Stellenwert. Sein Ziel war es, die bessere Nutzung von Begabungen zum Wohl der Allgemeinheit zu ermöglichen.