U1: Walddörferbahn wird 100 Jahre alt

Unternehmen, Infrastruktur | 12.09.2018

• Damals: Stadtentwicklungspolitische Herausforderung
• Heute: Unverzichtbare Verbindung in die Hamburger Innenstadt

100 Jahre U1 Walddörferbahn Montagezug
Montagezug für das Verzinken der Schienenstösse der Walddörferbahn
© HOCHBAHN

Vor exakt 100 Jahren, am 12. September 1918, war es soweit: Die U-Bahn-Linie von Barmbek bis nach Großhansdorf und Ohlstedt wird zwei Monate vor Ende des Ersten Weltkriegs ohne große Feierlichkeiten in Betrieb genommen.

Schon 1912, im Jahr der Inbetriebnahme der historischen Ringlinie, der heutigen U3, hatten Hamburg und Preußen einen Staatsvertrag über den Bau einer durchgehenden Bahnverbindung von Barmbek nach Wohldorf-Ohlstedt und Großhansdorf geschlossen. Der Staatsvertrag war notwendig, denn die Hamburger Gemeinden Großhansdorf/Schmalenbeck, Farmsen/Berne, Volksdorf und Wohldorf/Ohlstedt lagen als Exklaven in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Bei Kriegsausbruch im Sommer 1914 war bereits ein Großteil der Bauarbeiten an der oberirdischen Bahnstrecke abgeschlossen. Bis zur Inbetriebnahme mussten die Fahrgäste aber aufgrund des akuten Materialmangels noch geraume Zeit warten.

Als die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) die Strecke am 12. September 1918 in Betrieb nimmt, kann sie weder auf U-Bahn-Triebwagen noch auf Stromschienen zurückgreifen. Stattdessen wird ein vorläufiger Betrieb mit zwei als Kriegsbeute requirierten belgischen Dampflokomotiven eingerichtet. Die Lokomotiven ziehen umgebaute U-Bahn-Wagen. Als kurz nach Kriegsende die Dampflokomotiven im Zuge von Demontage und Reparation zurückgegebenwerden müssen, steht die Walddörferbahn ab dem 22. Mai 1919 zunächst wieder still.

Ab Anfang 1920 erfolgt dann die schrittweise Elektrifizierung der Strecke, sodass am 6. September 1920 ein eingleisiger U-Bahn-Betrieb zwischen Barmbek und Volksdorf aufgenommen werden kann. Am 5. November 1921 folgt der Streckenabschnitt zwischen Volksdorf und Großhansdorf und am 1. Februar 1925 der Streckenabschnitt zwischen Volksdorf und Ohlstedt.

Anfang der 1960er Jahre wird dann nach und nach die Strecke von der Innenstadt bis nach Wandsbek-Gartenstadt gebaut. Am 4. August 1963 wird die U1-Haltestelle Wandsbek-Gartenstadt eröffnet und die Walddörferbahn über die heutige U1-Strecke direkt an die Hamburger Innenstadt angebunden.

Heute fahren täglich über 100.000 Fahrgäste auf dem östlichen Ast der längsten U-Bahn-Strecke Deutschlands. 35 bzw. 43 Minuten dauert die Fahrt zwischen der Hamburger Innenstadt und den Endhaltestellen Ohlstedt bzw. Großhansdorf.