Hamburg erprobt die digitale Mobilität von Morgen

HOCHBAHN leitet das RealLabHH – die Menschen vor Ort können mit dabei sein

U3 Baumwall HOCHBAHN
Unterwegs Richtung Zukunft: Die HOCHBAHN leitet das Förderprojekt RealLabHH © Hamburg Marketing/Lucas Pretzel

 

Wie kann die Digitalisierung unser Verkehrssystem nachhaltiger, sicherer, komfortabler und auch zuverlässiger machen? Diese Frage wollen rund 30 namhafte Projektpartner aus Industrie, Forschung und öffentlichen Institutionen in Hamburg unter der Leitung der HOCHBAHN klären. RealLabHH heißt das Förderprojekt, bei dem bis Ende 2021 digitale Mobilitätslösungen in einem gemeinsamen Ökosystem entstehen sollen.

Das Besondere: Einwohnerinnen und Einwohner können die Angebote selbst austesten und sich über Beteiligungs- und Dialogveranstaltungen einbringen. Die Erkenntnisse aus dem Reallabor werden beim ITS-Weltkongress in Hamburg im Oktober 2021 vorgestellt.

 

Mobilitätsbudget, On-Demand-Shuttles oder autonomes Fahren

In elf Projekten wird zu verschiedensten Themen wie dem autonomen Fahren, einer Mobilitätsplattform für alle Anbieter, On-Demand-Shuttles im ländlichen Raum, einem Mobilitätsbudget anstelle eines Dienstwagens oder innovativen Warentransport-Lösungen geforscht. Die gesellschaftliche Debatte zu digitalen Mobilitätsservices steht dabei im Zentrum und soll wichtige Erkenntnisse darüber liefern, welche Mobilitätslösungen sich wie in der Praxis bewähren.

Denn immer wieder sollen die Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden. So wird das Reallabor Hamburg zu dem Raum, in dem gezeigt wird, wie Ideen einer weitgehend vernetzten Mobilität im Alltag tatsächlich umgesetzt werden können.

Hervorgegangen ist das Projekt RealLabHH aus der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM).

 

Die Projekte in der Übersicht:

Alle relevanten Mobilitätsdienste in Hamburg in eine Plattform zu integrieren – das ist Ziel von hvv switch. Die App wurde im Sommer 2020 mit den Services des HVV Ticketings und der Buchung des On-Demand-Shuttles MOIA gelauncht. Für 2021 ist die Integration weiterer Partner wie sixtSHARE und StadtRAD sowie Miles und auch Anbieter von E-Scootern vorgesehen. Mehr unter: hvv-switch.de

Mit diesem Teilprojekt sollen intermodale Reiseketten von Tür-zu-Tür zwischen Hamburg und einer weiteren deutschen Stadt analysiert werden. Sprich: Für eine Reise mit Start in Hamburg und beispielsweise dem Ziel Berlin, bekommen User verschiedene Reiseketten wie die komfortabelste, günstigste oder schnellste Route und die dazugehörigen Verkehrsmittel vorgeschlagen. So könnte die Reise in Hamburg mit einem MOIA-Shuttle zum Hauptbahnhof beginnen, mit dem ICE nach Berlin fortgesetzt und von dort mit der U-Bahn oder einem E-Scooter zum Ziel beendet werden. Das Projekt soll als Demonstrator zeigen, wie regionale Mobilitätsplattformen mit einem überregionalen Ansatz Partner und Regionen vernetzen kann. Die Grundlage hierfür ist die Schaffung eines Datenraums Mobilität, der eine Infrastruktur basierend auf dem IDS-standard der International Data Spaces Association  bereitstellt, die einen sicheren Austausch von Daten mehrerer Anbieter ermöglicht. Mehr unter: dih.telekom.net

Dieses Projekt forscht nach einer Antwort auf die Frage, wie sich das Mobilitätsverhalten berufstätiger Menschen langfristig wandeln könnte – und welche Rolle der Arbeitgeber dabei spielen kann. Die Idee: Unternehmen stellen Mitarbeitenden ein individuelles monatliches Mobilitätsbudget für geschäftliche und private Fahrten zur Verfügung. Dabei können Mitarbeitende zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wählen – von ÖPNV über Fernverkehr und StadtRad bis hin zu Sharing-Diensten.

Kann im suburbanen Raum ein autonom betriebenes On-Demand-Angebot dazu beitragen, die Strecke der sogenannten „ersten und letzten Meile“ im ÖPNV besser zu erschließen? Um dieser Frage nachzugehen, wird im Raum Bergedorf ein Feldversuch mit autonom fahrenden Shuttle-Prototypen durchgeführt. Der Testbetrieb ist für Sommer 2021 vorgesehen. Mehr unter: vhhbus.de

Ab Dezember 2020 verbessern insgesamt drei On-Demand-Shuttleverkehre die Anbindung des Umlands an die Metropole Hamburg: Im Landkreis Stormarn sowie in Harburg, einem Landkreis der ländlich geprägten Süderelbe-Region, sind gleich zwei Shuttleservices zur Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs geplant. Im nördlich der Elbe gelegenen Ahrensburg soll die Stadt mit Hilfe eines innovativen On-Demand-Verkehrs vom motorisierten Individualverkehr (MIV) und den damit einhergehenden CO2-Ausstößen entlastet werden. Im Landkreis Harburg wird mit der Einrichtung des On-Demand-Verkehrs die attraktive Anbindung ländlich geprägter Gebiete im Bereich Pendler-, Versorgungs- und Freizeitverkehre sowie die Anbindung von Gewerbe- und Industriegebieten verbessert. Alle drei Projekte kombinieren bestehende und neue Mobilitätsformen und stärken tiefenintegriert den ÖPNV. Mehr unter: vhhbus.de

Sogenannte Mikrodepots sollen Lieferverkehre und damit verbundene Emissionen im innerstädtischen Bereich reduzieren. Die Mikrodepots dienen als Umschlagpunkte, die von verschiedenen Logistikdienstleistern und regionalen Einzelhändlern gemeinschaftlich genutzt werden. Lieferungen werden hier gebündelt und z.B. per Lastenfahrrad klimaneutral zum Endkunden gebracht. Das erste Depot soll Anfang des Jahres eröffnet werden.

Neben der Fortbewegung zu Fuß und per Rad leistet die elektrifizierte Mikromobilität, also E-Scooter oder Elektro-Fahrräder, einen wertvollen lokalen Beitrag für die emissionsfreie Mobilität in der Stadt. Diese Verkehrsteilnehmenden sind aber im Vergleich zu Personen im Auto oder LKW einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt. Für sie soll in diesem Projekt eine digitale Kollisionswarnung entwickelt werden. Die Herausforderung dabei ist, die VRU sowohl genau als auch datenschutzkonform und nicht-nachverfolgbar zu verorten, um rechtzeitig und sinnvoll VRU und die Personen in den Fahrzeugen zu warnen. Eine erste Demo hierzu soll im Sommer 2021 zur Verfügung stehen. Mehr unter: fokus.fraunhofer.de

Mit der Entwicklung des Digitalen Andreaskreuzes (DiAK) sollen Gefahrensituationen an Bahnübergängen vermieden werden. Dafür werden Infrastruktur und Verkehrsteilnehmer mittels Funk-Technologien miteinander vernetzt. Mit Hilfe der Digitalisierung kann die Zukunft der Mobilität aktiv mitgestaltet werden. Eine erster Feldtest  ist für den Frühling 2021 geplant.

Im RealLabHH werden die Wünsche, Bedürfnisse und Ängste der Bürgerinnen und Bürger systematisch erfasst und für die Weiterentwicklung der Mobilitätslösungen genutzt. Dabei helfen Workshops und ein Zuhörmobil, das in Hamburg ab 2021 unterwegs sein wird.

Als methodisches Querschnittsprojekt ist das Teilprojekt dafür verantwortlich, dass die erarbeiteten Lösungen als umfassendes nachhaltiges Mobilitätsangebot in unterschiedlichen Lebensräumen (Großstadt, Vorstadt, kleinere Städte) in die Praxis umgesetzt werden können und das RealLabHH somit zu einem nachhaltigen Wandel der Mobilitätsgewohnheiten hin zu einer CO2- neutralen Mobilität führt.

 

Übergreifend arbeitet das Teilprojekt 11 als gemeinsames Projektmanagement über die Freie und Hansestadt Hamburg.