Herrin über Licht und Schatten

Hamburg im 19. Jahrhundert: wenn aus Wünschen Bilder werden...

Historische Hamburg Literatur
Herrin über Licht und Schatten
© rowohlt

Hamburg, 4. Mai 1842

Abwesend starrte Hermann aus dem Fenster der gemütlich eingerichteten Dachkammer. Hier schlief er jedes Mal, wenn er vom nahen Altona nach Hamburg herüberkam, um Geschäftliches zu erledigen.

 

Das Zimmer befand sich in einem uralten Fachwerkhaus am Nikolaifleet, das der Witwe Trude Behrens gehörte. Die Frau vermietete seit dem Tod ihres Mannes an Handwerksgesellen auf Wanderschaft und reisende Händler, in seltenen Fällen auch an Seeleute. So fühlte sie sich weniger einsam. Hermann empfing sie gern, denn nachdem über ihn und seine heliographischen Wunderbilder in der Zeitung berichtet worden war, galt er für sie als bekannte Persönlichkeit. Wann immer er mit seinem Tornister an ihre Tür klopfte, sandte sie ihre Tochter Ruth zum Fischmarkt, um einen Leckerbissen für den willkommenen Gast zu kaufen...