Stephan: Ein Zugfahrer im Rock

Diversity
© HOCHBAHN

 

Ich bin transgender, das heißt: Biologisch bin ich ein Mann, sozio-emotional eine Frau. Eine Geschlechtsumwandlung ist für mich kein Thema. Ich fühle mich genau richtig so, wie ich bin. Schon als Kind wusste ich, dass ich mich anders anziehen möchte, dass ich in bestimmte Klischees nicht reinpasse. Lange habe ich das verborgen. Meine Mutter sagte mal über Leute wie mich: „Das sind ganz arme Menschen, die haben es sehr schwer.“ Das ermutigte mich nicht gerade, offen zu sein. Vor mir selbst konnte ich meine Identität aber nicht verbergen.

 

Es war ein weiter Weg, bis ich als mein wahres Ich, also in Frauenkleidern, auftreten konnte. Ich hatte dann eine Freundin, die etwas verrückt war und die ich gefragt habe, ob ich einen ihrer Röcke anziehen könnte. Tatsächlich bin ich dann zum ersten Mal mit Rock in die Schule gegangen. Da war ich 19. Trotz der negativen und anstrengenden Reaktionen war das eine Befreiung für mich.

 

Am Anfang habe ich nur einzelne weibliche Kleidungsstücke getragen, dann immer mehr. Das war ein Prozess – und natürlich gab es auch Rückschläge auf dem Weg. Je selbstbewusster ich aber auftrat, desto weniger negative Kommentare bekam ich. Seit zehn Jahren kann ich sagen: Ich bin in mir selbst angekommen und mit mir versöhnt.

 

Als ich 2003 zur HOCHBAHN kam, war ich zunächst froh, einen Job zu haben. Ich wollte meine neue Arbeitgeberin nicht gleich mit Forderungen nach einem Dienstrock konfrontieren. Der Dienstrock damals war außerdem wirklich hässlich. Und ich war zu der Zeit noch sehr mit mir selbst beschäftigt. Die normale „Männer-Dienstkleidung“ war da wie eine Schutzhülle.

 

Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich nicht komplett bin, wenn ich zwei unterschiedliche Leben lebe. Vor drei Jahren bin ich das Thema dann angegangen. Niemand wusste genau, wie das gehen soll. Ich sollte einen Antrag stellen und bräuchte eine Genehmigung. Bis 2018 hat es dann gedauert. Unsere Diversity Managerin hat das für und mit mir durchgefochten. Als ich den Rock das erste Mal anzog, wusste ich: Das war die richtige Entscheidung, das Bild ist komplett. Natürlich haben mich dann viele Kolleg*innen direkt angesprochen und gefragt, warum ich jetzt einen Dienstrock trage. Das finde ich gut, auch wenn die Fragen im Laufe der Jahre immer die gleichen sind. Ich habe es noch nicht erlebt, dass jemand despektierlich war. Einzelne sind schlicht überfordert, das verletzt mich jedoch nicht.

 

Einen Rock zu tragen ist für mich ein wichtiger Teil meiner Identität. Schön, dass die HOCHBAHN dafür inzwischen offen ist und sich dem Thema Diversity schrittweise nähert.