Martin: Vom Polizisten zur U-Bahn

Diversity HOCHBAHN
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Gelegentlich werde ich gefragt, warum ich mich nach 38 Jahren im Dienst bei der Polizei nicht zur Ruhe setze, die Beine hochlege oder mich meinen Hobbies widme. Die Antwort hat etwas mit meiner Vorliebe für die Bahn zu tun. Wenn ich schon mit 60 Jahren pensioniert werde – wie bei Polizei und Feuerwehr in Hamburg üblich – könnte ich mir doch im Anschluss einen Job suchen, der mich wieder "auf die Schiene bringt". So wie damals Anfang der 70er Jahre, als ich mir mein Schülertaschengeld als Liegewagenbetreuer auf Sonderzügen nach Österreich und Italien aufbesserte.

Die Liegewagenzüge sind längst abgeschafft, aber warum nicht eine neue Ausbildung machen und selbst einen Zug fahren? Schon viele Jahre vor meiner Pensionierung machte ich mir diese Gedanken und rief bei der HOCHBAHN an, ob sie mich mit 60 Jahren noch zum Zugfahrer ausbilden würden. Über die Antwort war ich überrascht und erfreut: Wenn ich gesundheitlich fit sei, könnte ich noch bis 67 bei der HOCHBAHN arbeiten!

Als es dann vor genau drei Jahren soweit war, gab es bei mir einen "fliegenden Wechsel": Am Freitag Verabschiedung bei meinen Kolleginnen am Meßberg (Verkehrsunfallermittlung), am Montag "drei Häuserecken weiter" mit neuer Dienstkleidung Begrüßung im Hochbahnhaus. 

Die Atmosphäre bei der HOCHBAHN war mir von Anfang an nicht fremd. Wie bei der Polizei, wo ich immer ein sehr kollegiales Miteinander erlebt hatte, erfuhr ich hier, dass sich unsere Ausbilder*innen mit großem Engagement um unsere kleine Gruppe kümmerten. Wir hatten das gute Gefühl, dass jeder von uns die Prüfungen schaffen sollte. Doch meine Ausbildung und mein Studium bei der Polizei lagen schon Jahrzehnte zurück. Also musste ich das Lernen noch einmal neu lernen.

Die Ausbildung war anspruchsvoll, vor allem war eine Fülle von Wissensstoff auf viereinhalb Monate komprimiert. Dazu kamen viele Tage für das Fahrtraining. Als Zugfahrer*in muss man in jeder Situation die Ruhe bewahren und die richtigen Entscheidungen treffen. In der Ausbildung war mein Alter übrigens nie ein Thema. Für das Team zählte nur der abschließende Erfolg. Deshalb nehme ich die HOCHBAHN als ein Unternehmen wahr, das sich darum bemüht, ihren Beschäftigten unabhängig von ihrem Alter, ihrer sozialen oder nationalen Herkunft einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. 

So war ich dann wirklich stolz, als ich an einem heißen Septembertag 2016 den noch heißeren Fahrerraum eines DT3 betrat. Keiner meiner Fahrgäste wusste, dass dies meine allererste Fahrt mit Publikum war. Vor Aufregung schwitzte ich noch ein kleines bisschen mehr. Jetzt fahre ich schon seit drei Jahren und habe den Schritt noch kein einziges Mal bereut. Mit mir hat sich die HOCHBAHN eine Nachteule eingefangen. Ich fahre nur Spätdienste und bei Bedarf auch freitags und sonnabends die Nachtschichten – mittlerweile in Teilzeit. Für meinen Diensteinteiler bin ich oft die letzte Option, wenn mal wieder jemand anderes am Wochenende eine Freischicht braucht. Ich bin mir aber bewusst, dass Zugfahrer*innen in Vollzeit und noch mit zusätzlichen Schichten ein härteres Brot haben, als ich mit meinen 24 Wochenstunden.